Hingebungsvolle indische Lieder auf Bengali und Sanskrit

Last modified Januar 10, 2024

Eine Sammlung traditioneller Lieder auf Sanskrit und Bengali.

Sri Chinmoy trägt hier eine Auswahl seelenvoller und andächtiger Sanskritgesänge und bengalischer Lieder vor. Die Aufführung fand anlässlich einer Rezitation im indischen Kulturzentrum, 50 Central Park West, New York, N.Y. 10023, am Sonntag, den 20. März 1966, statt.

Die Lieder wurden auf Sanskrit und Bengali gesungen und umfassen den Zeitraum von der Vedischen Ära bis zur Gegenwart. Die Ausschnitte aus den alten indischen Schriften wurden vom Sänger selbst vertont. Manchmal erklärt Sri Chinmoy die spirituelle oder philosophische Bedeutung des jeweiligen Liedes.

„Ein hingebungsvolles Lied hat eine universelle Anziehungskraft. Es spricht die innerlich strebende Seele an und hebt das Bewusstsein. Es spricht auch unsere Herzen, den Verstand und den Körper an. Ein hingebungsvolles Lied drückt ein universelles spirituelles Gefühl aus, eine persönliche Erfahrung, die wie eine Flamme zu Gott emporsteigt.“

– Sri Chinmoy

Alle Lieder stehen zum kostenlosen Download zur Verfügung. Klicke einfach „Download“ beim jeweiligen Lied auf der Playlist an und höre es dir wann immer du möchtest an. Natürlich kannst du die Lieder auch direkt online anhören.

 

1. Sanskritanrufung aus dem Rigveda: „Agne naya supatha raye asman“

Agne naya supatha raye asman
Visvani deva vayunani vidvan,
yuyo-dhyas-majjuhu-rana-meno
bhuyistham te nama uktim vidhema (18)

Agni! Führe uns auf dem verheißungsvollen Pfad zu Reichtum;
Du Gott, der all unsere Taten kennt …

(aus dem Rigveda: 1.189.1)

„Ich möchte gerne etwas über die Anrufung sagen, die ich gerade gesungen habe. Die Veden sind die ältesten, die inspirierendsten und die wichtigsten der indischen Schriften. Die Quintessenz der vedischen Wahrheit ist das Konzept der Reise. Dies ist die Reise der Seele auf dem Pfad der Wahrheit und der Ewigen Ordnung. Die Veden fließen über mit Liebe zum Leben und Energie für Taten; sie rufen den Supreme mit vorbehaltlosem Glauben an, um Seine Führung und göttliche Inspiration zu erhalten.
Es gibt vier Veden, von denen jedes Buch einige tausend Hymnen umfasst. Die vier Veden heißen Rigveda, Yayurveda, Samaveda und Atharvaveda. Die Hymne, die ich gerade gesungen habe, ist aus dem Rigveda, aus dem Teil davon, der der Anbetung Agnis, dem Gott des Ewigen Göttlichen Feuers gewidmet ist. Der Reichtum, von dem in der Hymne die Rede ist, ist kein bloßer irdischer Reichtum, sondern ein innerer und all-erfüllender Reichtum, eine Fülle, sowohl des Geistes, als auch des äußeren Lebens.“

Sri Chinmoy, AUM — Vol. 1, No. 8, March 27, 1966, Boro Park Printers — Brooklyn, New York, 1966.

Dieses ist ebenfalls das letzte Mantra der Isha-Upanishad.

 

2. Sanskritgesang aus den Upanishaden: „Asato ma sad gamaya“

Führe mich vom Unwirklichen zum Wirklichen.
Führe mich von der Dunkelheit zum Licht.
Führe mich vom Tod zur Unsterblichkeit.

(aus der Brihadaranyaka Upanishad: 1.3.28)

„Die Upanishaden sind intuitive Offenbarungen, die aus den Veden stammen. Die Upanishaden haben alle Systeme der indischen Philosophie inspiriert und weisen auch heute noch den Weg für das das spirituelle Leben von Millionen von Wahrheitssuchern. Gott allein weiß, wie viele Upanishaden einst existierten, aber nur 108 wurden gewissenhaft aufbewahrt. Die Brihadaranyaka Upanishad enthält eine der bedeutungsvollsten und inspirierendsten Gottesanrufungen Indiens. Jahrhundertelang hallte der Himmel über Indien von diesem geliebten und unsterblichen Gebet wider.“

Sri Chinmoy, Eternity’s Breath, Sri Chinmoy Lighthouse, 1972

 

3. Der Bhagavad Gita-Gesang – „Tvamadi Deva Purusha Purana“

Tvamadi Deva Purusha Purana …

Du bist die uralte Seele,
die erste und ursprüngliche Gottheit
und der höchste Ort der Ruhe alles Lebendigen;
Du bist der Wissende und das Gewusste;
die höchste Wohnstatt.
O Wesen mit unendlich vielen Gestalten, durch Dich wurde das Universum ausgebreitet.
Du bist Vayu und Yama und Agni und Soma
und Varuna und Prajapati,
Vater der Geschöpfe und Stammvater.
Ich verneige mich, verneige mich vor Dir,
tausendmal, wieder und wieder
verneige ich mich, verneige ich mich vor Dir.

(aus der Bhagavad Gita: XI.38-39)

„Die Gita ist der Göttliche Gesang, von Lord Krishna selbst gesungen. Die Gita ist die Essenz aller indischen Schriften. Es gibt achtzehn seelen-erleuchtende Diskurse in der Gita. Im elften offenbart Lord Krishna seinem geliebten Schüler Arjuna seine Visva-Rupa, seine Universelle Form. Auf diesen überwältigenden Anblick dieser Göttlichen Form hin, ruft der hingegebene Schüler in Arjuna aus: Tvamadi Deva Purusha Purana …“

Sri Chinmoy, Eternity’s Breath, Sri Chinmoy Lighthouse, 1972

 

4. „Varuna yama agni“ – ein Gesang aus der Bhagavad Gita

Varuna yama agni

Arjuna: Du bist Vayu, Gott des Windes; Yama, der Totengott; Agni, der Feuergott; Varuna, Gott des Wassers. Du bist der Mond und der Schöpfer Prajapati und der Urahn aller Geschöpfe. Ich verneige mich vor Dir und verehre Dich immer und immer wieder. Du bist hinter mir und vor mir; Ich verneige mich vor Dir von jeder Seite. Deine Macht ist unermesslich. Du durchdringst alles; Du bist alles.

Dies ist die Fortsetzung des vorhergehenden Shlokas „Tvamadi Deva Purusha Purana …“, in dem Arjuna seine Vision der Universellen Form Gottes beschreibt, die ihm Krishna gewährte.

 

5. Ein bengalisches Lied von Chandidas – „E ghora rajani meghera ghata“

Die Nacht ist dunkel, der Himmel ist voller Wolken.
Freund, was kann ich dir sagen?
Durch viele Leben hindurch habe ich Ihn gewonnen.

– Chandidas

„Chandidas schrieb dieses bengalische Gedicht im 16. Jahrhundert. Er war ein großer Dichter der Vaishnavatradition, der überall in Bengalen sehr geschätzt wurde. Im Vaishnavismus ist Sri Krishna das alleinige Objekt der Liebe, Ergebenheit und Verehrung. Die Vaishnaviten glauben, dass eine vorbehaltlose Widmung des Lebens an Lord Krishna das unvergleichliche Ideal, die höchste Art zu leben ist. Radha, Lord Krishnas göttliche Gefährtin und Schülerin, ist die Verkörperung dieser Selbst-Widmung. Nachdem sie Ihn durch viele Leben des inneren Strebens und der Ergebenheit gewonnen hatte, gibt sie ihre gesamte Existenz Ihm hin um Ihm zu dienen.“

Sri Chinmoy, Eternity’s Breath, Sri Chinmoy Lighthouse, 1972

 

6. Rabindranath Tagores bengalisches Lied „Nivid ghana andhare jwalichhe“

NIBIRO GHONO ANDHARE JWALICHE DHRUBOTARA

In der dunklen Finsternis scheint der Polarstern;
O mein Verstand, verlier nicht deinen Weg
in der unermesslichen Weite der Nacht.
Obwohl du ganz leblos durch Depression und Verzweiflung bist,
O mein Herz, hör nicht auf zu singen.
Erfülle dein Leben,
indem du das Gefängnis der Täuschung durchbrichst …

– Rabindranath Tagore

Rabindranath war ein Goldenes Lied, das von dem göttlichen Sänger in ihm gesungen wurde. Er war tatsächlich das Welt-Lied, das goldene Verbindungsglied, das Ost und West miteinander verband. Er schenkte der Welt mehr als zweitausend Lieder. Er sagte einmal, dass er erst sehr wenige Lieder komponiert hatte, als er noch singen konnte. Als er jedoch ein produktiver Komponist geworden war, verließ ihn seine Stimme und er war unfähig die meisten seiner eigenen Lieder zu singen. Er machte einmal eine prophetische Äußerung über seine eigenen Lieder: „Im Laufe der Zeit ändert sich alles. Aber die Bengalen werden meine Lieder in jedem Zeitalter singen. Sie werden meine Lieder in der Stunde der Sorge singen, in der Trauer, der Freude und der Wonne. Sie werden keine andere Wahl haben.“

In dem Lied, das ich jetzt singen werde, vergleicht Tagore den Polarstern, unbeweglich und zuverlässig in der dunklen Nacht, mit dem Licht des Verstandes und des Herzens, das die unerleuchtete Existenz des menschlichen Lebens erhellt: Nivid ghana andhare jwalichhe Dhruva tara.

Rabindranath Tagore schrieb:

„Den Vögeln gabst Du Lieder,
die Vögel gaben Dir Lieder zurück.
Du gabst mir nur eine Stimme,
aber Du bittest um mehr,
und ich singe.“

Sri Chinmoy, Eternity’s Breath, Sri Chinmoy Lighthouse, 1972

 

7. Tagore – ein weiteres bengalisches Lied – „Amar hiyar lukiye“

Amar hiyar lukiye …

Versteckt warst du in meinem Herzen –
ich fand dich trotzdem nicht.
Dich fand ich trotzdem nicht darin.
Rundum hab ich geschaut –
nur nicht ins eigne Herz hinein.
In jeder Neigung, jedem Schmerz und jedem Hoffen
warst du mir nahe –
nur ich kam dir nicht näher.
Gelebt hast du in meinen Spielen mittendrin
als aller Spiele Fröhlichkeit.
In diesem Rausch vergaß ich deine Gegenwart,
Tag und Jahr verstrichen müßig.
In meinem tiefsten Leben wohntest du verschwiegen,
dem Schmerz und Glück all meiner Lieder
gabst du die Melodie.
Ich hab jedoch dein eignes Lied nie singen können.

– Rabindranath Tagore

Diese deutsche Übersetzung aus dem Bengalischen stammt von Martin Kämpchen; die Übersetzung befindet sich in „Rabindranath Tagore: Das Goldene Boot“. Lyrik, Prosa, Dramen. Hrsg. von Martin Kämpchen. Verlag Artemis & Winkler, Düsseldorf und Zürich 2005, S. 113-114.

Dies ist ein weiteres bengalisches Lied Tagores, das ein ähnliches Gefühl der Trennung von Gott beschreibt und die Schmerzen, die daraus entstehen.

 

8. Kaji Najrul – das bengalische Lied „He Partha Sarathi“

He Partha Sarathi, bajao, bajao Panchajanya …

O Wagenlenker,
blas, blas Dein Muschelhorn;
Verscheuche diese Traurigkeit des Herzens.
Mache die, die Angst haben, furchtlos.
Spanne den Bogen und triff das Ziel.
Indem Du das Mantra der Gita singst,
opfere Dein Leben.
Mach, dass wir die Angst vor dem Tod vergessen.
Der Tod ist nicht das Ende des Lebens.
Durch die Ewigkeit fließen die ewigen Gezeiten des Lebens …

– Kaji Najrul Islam

„Das nächste ist ein inspirierendes Lied, das von Kaji Najrul Islam in den frühen Jahrzehnten dieses Jahrhunderts geschrieben wurde. Es erzählt von der berühmten Schlacht von Kurukshetra in der Mahabharata und richtet sich an Lord Krishna, den Wagenlenker, der gebeten wird, den Menschen Mut und Kraft einzuflößen.“

Sri Chinmoy, Eternity’s Breath, Sri Chinmoy Lighthouse, 1972

Kaji Najrul Islam sagte über Tagore: „Er hat eine Ungerechtigkeit begangen. Die Ungerechtigkeit ist, dass er alles geschrieben hat.“

 

9. Sri Chinmoys bengalisches Lied „Jago amar swapan sathi“

Jago amar swapan sathi, jago amar praner pran …

Awake, O Comrade of my dream,
Awake, O Breath of my life,
Awake, my Boundless Heart spread over the universe,
Awake, O that Consciousness of mine,
Which ends not,
Even crossing the Beyond.

Erwache, oh Freund meines Traums,
erwache, oh Atem meines Lebens,
erwache, mein Grenzenloses Herz breite über das Universum aus,
erwache, oh dieses mein Bewusstsein,
das nicht endet,
sogar, wenn es das Jenseits durchquert.

„Ich schrieb das folgende Lied vor etwa fünfzehn Jahren in Indien. Es bittet die Seele, das gesamte Wesen zu erwecken und zur Gottverwirklichung zu führen.“

Sri Chinmoy, Eternity’s Breath, Sri Chinmoy Lighthouse, 1972

Dieses Lied wurde von Sri Chinmoy komponiert. Es ist in seiner Muttersprache Bengali verfasst. Später komponierte er noch einmal eine neue Melodie zu dem vorliegenden Text.

 

10. Dilip Kumar Roy – Bande Mataram – Mutter, ich verbeuge mich vor Dir …

vande mātaram
sujalāṃ suphalāṃ
malayajaśītalām
śasya śyāmalāṃ
mātaram
vande mātaram …

– Textausschnitt von Bankim Chandra Chatterjee, vertont von Dilip Kumar Roy

Mother, I bow to thee!
Rich with thy hurrying streams,
Bright with thy orchard gleams,
Cool with thy winds of delight,
Dark fields waving, Mother of might,
Mother free…

– Textausschnitt der Übersetzung von Sri Aurobindo

Mutter, ich verbeuge mich vor dir!
Reich durch deine eilenden Ströme,
leuchtend durch das Funkeln deiner Obstgärten,
kühl durch deine Winde der Wonne,
dunkle Felder wogen,
Mutter der Macht,
freie Mutter …

„Dies war die ursprüngliche Nationalhymne Indiens und die Quelle großer Inspiration im langen Kampf um Indiens Unabhängigkeit. Der Text des Liedes wurde von Bankim Chandra Chatterjee geschrieben, dem bedeutendsten Romanschriftsteller von Bengalen. Er war einer der herausragenden Genies, die dieses Land hervorgebracht hat. Das Lied ist Teil des bekanntesten seiner Romane, Ananda Math. Kein Inder wird je die Rolle vergessen, die dieses Nationallied, Bande Mataram, im patriotischen Gefühl des indischen Volkes spielte. Es diente einem göttlichen Zweck, indem es das indische Volk in seinem langen Kampf um die Freiheit mit Kraft erfüllte. Von den brennenden Herzen der indischen Patrioten stieg es hoch in den Himmel wie flammende Beschwörungen. Viele verschiedene Melodien wurden über die Jahre für dieses Lied komponiert. Die vorliegende Vertonung stammt von dem großen Musiker Indiens, Dilip Kumar Roy.“

Sri Chinmoy, Eternity’s Breath, Sri Chinmoy Lighthouse, 1972

 

11. Sourindra Mohan Mukherjee – Phire Chalo

Phire Chalo, apana Ghare …

Lasst uns nach Hause zurückkehren, lasst uns zurückkehren,
nutzlos ist dieses Gegenrechnen von Suchen und Erlangen,
Wonne durchzieht alles, was heute ist.
Vom blauen Ozean des Todes
fließt das Leben wie Nektar.
Im Leben ist Tod; im Tod ist Leben.
Also wo ist Angst, wo ist Angst?
Die Vögel im Himmel singen „Kein Tod, kein Tod!“
Tag und Nacht kommt der Strom der Unsterblichkeit
hier auf die Erde herab.

„Nun kommen wir zum letzten Lied, Phire Chalo. Durch dieses Lied wurde ein bekannter indischer Sänger, K. C. Dey, über Nacht unsterblich. Gott hatte ihm die Sicht versagt; er war vollkommen blind. Aber Gott sang durch ihn in so herzergreifender Herrlichkeit, als er dieses Lied für den berühmten Film „Chandidasa“ sang, dass sein Name in Indien unsterblich wurde.

In diesem Lied ruft uns unser Zuhause. Laut der Veden ist mit „Zuhause“ der Himmel auf Erden gemeint, denn indem wir hier auf der Erde in der Seele verweilen, können wir spirituelle Glückseligkeit erreichen. Im Rigveda singen die Seher: „Madhumat Punarayanam“, was „Möge meine Rückkehr (nach Hause) süß sein.“ bedeutet.“

Sri Chinmoy, Eternity’s Breath, Sri Chinmoy Lighthouse, 1972


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